Sony und Nintendo setzen auf 3-D-Spiele

An der Videomesse in L.A. stellte Microsoft seine neue Bewegungssteuerung Kinect vor – Online-Gamedienste bedrängen die Konsolen.

Die diesjährige Videospielmesse E3 in Los Angeles stand im Zeichen von Bewegungsspielen. Vor den Fernseher sollen die Spieler nicht mehr nur mit den Daumen wackeln, sondern ins Schwitzen kommen.

Den Auftakt machte Microsoft mit der offiziellen Präsentation seines Steuerungssystems Kinect. Das bisher unter dem Namen «Project Natal» bekannte System macht den Spielcontroller überflüssig. Stattdessen registriert es mit Kameras und Sensoren die Bewegungen des Spielers und überträgt sie auf den Bildschirm. Das Gerät reagiert auch auf gesprochene Befehle. Bei einem kurzen Test der SonntagsZeitung im Mai hat die Kinect-Kamera noch mit etwas Verzögerung reagiert, insgesamt machte die Hampelei aber Spass. Ob die Reaktionszeit verbessert wurde, zeigt sich spätestens vor Weihnachten: Dann wird mit der Einführung gerechnet, in den USA wird es am 4. November so weit sein. Den Verkaufspreis gab Microsoft nicht bekannt.

Gleichzeitig kündigte Microsoft eine neue, schwarz lackierte Xbox 360 an: Sie ist ähnlich geformt, aber kleiner als die Vorgängerin, verfügt über WiFi und 250 Gigabyte Festplatte. Sie soll wesentlich leiser sein und ist ab 16. Juli für 370 Franken im Handel.

Sony doppelt in Sachen Fitness nach: Der schon länger angekündigte Move-Controller soll bewegungssensibler sein als das Vorbild Wii-mote und im September in Europa auf den Markt kommen. Das Startpaket (mit Spiel) kostet 60 Euro. Ansonsten setzt Sony auf 3-D-Spiele, was nahe-liegt, wurde die Playstation doch per Update bereits für die dritte Dimension fit gemacht.

Laut Medienberichten waren die gezeigten Szenen in 3-D beeindruckend. Noch bleibt der 3-D-Genuss aber ein teurer Spass, braucht es dazu doch einen 3-D-TV und eine Shutterbrille.

Nicht so bei Nintendo: Die neue tragbare Konsole 3DS kann 3-D-Effekte darstellen – ohne dass eine Brille nötig ist. Ein spezieller Monitor machts möglich. Damit sind die Japaner den Smartphones mit reichlich Spielangeboten wieder einen Schritt voraus. Die 3DS hat wie ihre Vorgänger zwei Bildschirme, wobei der 3-D-Monitor etwas grösser ist. Neu verfügt sie über WiFi und zwei Kameras, die Fotos in 3-D schiessen. Wann sie in den Handel kommt, gab Nintendo nicht bekannt.

Die Zeit der Konsolen könnte aber schon bald vorbei sein, wie der auf einem E3-Nebenschauplatz gestartete Dienst Onlive andeutet. Er bietet die Möglichkeit, aktuelle Gametitel mit dem Browser über Breitbandinternet zu spielen – auf dem Rechner wird nichts mehr installiert. Das ermöglicht, rechenintensive Spiele auch mit iPads, Netbooks und Macs zu zocken. Demnächst soll ein kleines Adaptergerät auch das Spielen am TV möglich machen. Derzeit ist der Dienst nur in den USA verfügbar; 2011 soll der Europastart in Grossbritannien erfolgen.

© SonntagsZeitung, 20.06.2010