IBM-Forscher Jan Camenisch treibt die digitale ID der Zukunft voran

Ich habe Jan Camenisch in Rüschlikon am Forschungsinstitut der IBM aufgesucht. Es war ein spannendes Gespräch über Datenschutz und Algorithmen, die es möglich machen, dass wir uns sicher ausweisen können, aber gleichzeitig dabei anonym bleiben. Camenisch sieht es als grosses Problem, dass wir Nutzer heute bei vielen Diensten im Web x persönliche Angaben machen müssen, damit im Interesse des Dienstleisters sicher gestellt ist, dass wir wirklich die Person sind, die wir vorgeben zu sein. Dabei wäre es überhaupt nicht nötig, all diese Daten anzugeben, um den Dienst zu nutzen. 
Er mahnt die Nutzer, mit ihren Daten vorsichtig umzugehen: "Datenschutz ist für eine Demokratie notwendig, sonst befinden wir uns in einem Orwellschen Ueberwachungsstaat", sagt Camenisch. 
Es versteht sich fast von selbst, dass Camenisch weder auf Facebook ein Profil hat, noch Online-Banking macht. Seine Passwörter listet er in einem Word-Doc auf, das er dann verschlüsselt auf dem PC lagert. Von Online-Passort-Diensten - wie ich sie etwa nutze... (ächz) - hält er nicht viel: "Da muss man dem Anbieter vertrauen". Die Daten lagern irgendwo bei irgendwelchen Personen die irgendwas damit machen könnten. 
Der Bergbauernsohn ist mit drei Geschwistern in der Nähe von  Arosa aufgewachsen und hat sich seinen ersten Computer, einen C64, über einen deutschen Touristen organisiert: "Ich konnte ihm den mit meinem Ersparten für wenig Geld abkaufen". Derzeit treibt er seine Verschlüsselungs-Forschung in einem grossen europäischen Forschungsprojekt voran, in dem auch Microsoft mitmacht. Er ist überzeugt, dass daraus die nächste "Suisse ID" und andere IDs resultieren werden.