E-Lehrmittel

Kommentar zum Beitrag von Beat Döbeli Honegger

(Nachtrag II zum Artikel "Gerangel im E-Book-Markt für Schweizer Schulbücher:)

Prof. Dr Beat Döbeli Honegger, Dozent für Medienbildung und Informatikdidaktik an der pädagogischen Hochschule Zentralschweiz hat sich in seinem Wiki zu meinem Artikel vom letzten Sonntag "Gerangel im E-Book-Markt für Schweizer Schulbücher" über  die geplante Plattform für digitale Lehrmittel geäussert. Vielen Dank für die Ergänzungen. Ich möchte dazu einen kurzen Kommentar schreiben (den ich hier publiziere, da ich mich dafür auf seinem Wiki - zu Recht - hätte registrieren müssen, was ich im Moment aber nicht will): 

Sehr geehrter Herr Döbeli, eine interessante Ergänzung zu meinem Artikel. In der Tat kämpfen wir JournalistInnen immer wieder damit, dass wir auf wenig Platz relativ komplexe Sachverhalte Leser-gerecht aufbereiten müssen - was nicht immer gleich gut gelingt. Wir können keine Abhandlungen schreiben - dafür gibnt es keinen Platz und kaum LeserInnen. Vielleicht können Sie es (wie gewisse meiner Gesprächspartner) positiv sehen, dass es das Thema "digitale Lehrmittel" in die Publikumspresse gebracht hat. Und ist es nicht auch erfreulich, dass Sie sogar noch etwas Neues erfahren haben (Apple zeigt sich kulant)?. Es tut mir leid, dass mir vor dem Artikel nicht bekannt war, dass Sie sich seit zwei Jahren mit genau diesem Thema auseinandersetzen (ich wusste zwar, dass sie beim hep-Verlag im VR sind).  Ich werde mich aber beim nächsten Mal vorher gerne auch an Sie wenden, wenn Sie erlauben. Denn sicher ist: Die Unklarheiten scheinen noch einiger Klärungen zu bedürfen, wie sie selbst schreiben. Sicher auch in Form von Artikeln. Simone Luchetta

E-Lehrmittel (Nachtrag): A. Von Gunten: "Buchzentrum betreibt Marktabschottung"

Im Rahmen der Geschichte über die Plattform für digitale Lehrmittel in der SonntagsZeitung vom 24. Juni 2012 habe ich viel mehr Informationen zusammengetragen, also ich schliesslich im Blatt verwenden konnte. Unter anderem habe ich auch Andreas Von Gunten um seine Meinung gebeten, der im Sommer 2011 den Verlag Buch & Netz gründete. Bücher und Online-Inhalte veröffentlicht er in der Regel unter einer Creative Commons Lizenz  im Web. 
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Seine Meinung finde ich interessant - und möchte Zitate aus seinem E-Mail an dieser Stelle nachtragen -, weil er ein Mann ist, der nicht im Buchhandel gross geworden und auch kein ein typischer Verleger ist. Er kommt (als Gründer des Cloud Computing Dienstleisters Parx und der Web Agentur Mediaparx AG und als ehemaliger Geschäftsführer der Blogwerk AG) vielmehr "aus dem Internet", das heisst: er kommt daher, wohin die Buch-Branche im Allgemeinen und Buchzentrum-Chef Andreas Grob  im Besonderen hin will.
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So findet Von Gunten etwa, dass es statt eine E-Lehrmittel Plattform  eher eine bräuchte, "welche die Herstellung, die Verteilung und die Nutzung von «open educational ressources» in der Schweiz unter Creative Commons Lizenzen fördert. Gerade Lehrmittel, die letztendlich durch die Öffentlichkeit finanziert werden, ist es absolut unnötig diese durch ein Geschäftsmodell vertreiben zu lassen, welches auf der Verknappung und Monopolisierung der Lehrmittel-Inhalte basiert. " 
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Es überrascht kaum, dass nach Meinung Von Guntens die Buchbranche die Digitalisierung verschlafen hat: "Es gibt in der Branche ausser ein paar wenigen Aussenseitern fast niemand der das Internet bzw. das Web mag, geschweige denn versteht." - Auch ich denke, dass ein grosses Problem des Buchzentrums darin liegt, dass diese "Leute des gedruckten Buches" Vorbehalte gegenüber dem Internet haben. Mit ihrem Herzen wollen sich nicht damit befassen - aber sie müssen jetzt einfach. Andreas grob muss einfach. Das merkt man: Es ist keine Leidenschaft dabei! (Auch nicht bei der Lösung der Webshops, die das Buchzentrum kürzlich den Buchhandlungen verpasst hat.)
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Die Branche schottet sich offensichtlich ab und lässt nichts "Anderes" rein lässt, wie Von Gunten im E-Mail schreibt. So beliefert das Buchzemtrum laut Von Gunten etwa nur Buchhandlungen mit Ladengeschäften; Quereinstiger werden absichtlich draussen gehalten:
"Ich habe erst wenig Kontakt mit dem Buchzentrum gehabt. Ihren bisherigen Job, die Logistik für gedruckte Bücher, werden sie sicher gut machen. Aber das Buchzentrum ist auch eine Branchenunternehmung, die Marktabschottung betreibt. So werden in der Regel nur "Buchhandlungen" mit Ladengeschäft beliefert. Bei reinen online Buchhandlungen werden Ausnahmen gemacht, wenn bestimmte Auflagen erfüllt werden. So wird gefordert, dass ein  "ausgebildeter Buchhändler" angestellt und für den Online Shop zuständig ist, usw. Sprich, das Buchzentrum, wie auch die ganze Branche wehrt sich gegen alles was von aussen kommt. Das ist meiner Ansicht nach auch der Hauptgrund, warum die Branche den Anschluss an die vernetzte Welt nicht findet. Alles was nicht in das bisherige Schema passt, wird nicht nur nicht begrüsst, sondern möglichst ferngehalten. "
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Dieses Mauern der Branche bzw. des Buchzentrums bekam auch ich bei meiner Recherche zu spüren: Jedes Gespräch, das ich führte, jeder Telefonanruf, den ich machte - sei es mit dem SBVV, einem Verlag oder mit der Interkantonalen Lehrmittelzentrale - wurde sofortan Grob rapportiert. Dieser hat auch alle Lehrmittelverlage verpflichtet, gegenüber der SonntagsZeitung nicht über die neue Plattform zu sprechen. 
Doch solange Andreas Grob so mauert, kann das Projekt kein gutes Ende finden. Es braucht Leute, die nicht nur keine Angst vor dem Web haben, ja mehr noch: Leute, die es lieben, damit aus so einem Projekt etwas Gutes wird!

 

Gerangel um eine Plattform für digitale Lehrmittel

Seit Februar bin ich mit dem Schweizer Buchzentrum bzw. dessen Chef Andreas Grob in Kontakt wegen einer zentralen Online-Plattform, die er für digitale Lehrmittel aufbauen will. Er vertröstete mich immer wieder, noch sei er nicht so weit, noch sei das Projekt nicht spruchreif, und verpflichtete die Verlage dazu, ebenfalls zu schweigen. X-mal haben wir die Story geschoben, die wir eigentlich zur Fokus-Geschiche "Apps im Znüni-Täschli" geplant hatten (die wir deshalb ebenfalls mehrmals schieben mussten). 

Langsam schwante mir, dass das ein "Never-ending"-Projekt werden könnte, und entschloss mich, die Geschichte über das Nicht-Gelingen der Plattform zu schreiben, bzw. darüber, warum es so ein langwieriger Prozess ist, welche Parteien mitmischen, was der iPad-Hersteller Apple damit zu tun hat (mischt Apple den Bildungs-Markt auf? Von Aufmischen kann in der Schweiz wohl nicht die Rede sein: es gibt erst wenige E-Lehrmittel fürs iPad. Aber letztlich hat Apple doch gute Karten und profitiert davon, dass es  keine andere Vertriebs-Plattform gibt) und welche Strategien die Verlage verfolgen. 
Andreas Grob wollte das Erscheinen des Artikels verhindern und versuchte, mich dazu zu überreden, "das Buchzentrum draussen zu lassen" - warum, war und ist mir nicht klar. Schade ist, dass er die Chance nicht gepackt und mir und der Leserschaft das Projekt nicht vorgestellt hat. So hätte er fürs das Portal und sich etwas Werbung machen können. Es wäre etwa interessant gewesen zu hören, wie genau die Anwendungsmöglichkeiten seiner Plattform über jene der bereits existierenden, deutschen E-Lehrmittelverlage "digitale-schulbücher.de"  hinaus geht.